Nach Suschäll Media nun Suschäll Lockdown

Ja, die Kreativität überwindet Grenzen. Der Social Lockdown ist medial das neue Schlagwort neben der neuen Corona-Normalität. Soziale Medien müssen ihren Spitzenplatz im Aufmerksamkeitsranking an den sozialen Lockdown abgeben. Zugleich sind diese für das digitale Kontakthalten in der Lockdown-Einöde das Vehicle schlechthin. Insofern dürfen wir an der Spitze ein Spitzenduo erwarten. Soziale Medien als Retter im sozialen Lockdown. Hauptsache es entspinnt sich nicht hier und da ein Shitstorm, der Nerven blank legt und Unruhe größeren Ausmaßes verbreitet.

Der Nachrichtensender ntv berichtet über ein Thesenpapier aus Nordrhein Westfalen, das einen sogenannten „Lockdown light“ umreißt. Demnach sollen Schulen, Kindertagesstätten und Betriebe geöffnet bleiben, aber insbesondere private Kontakte weiter eingeschränkt werden. Folglich seien Zusammenkünfte mit mehr als zehn Personen im privaten Raum und mit mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum zu untersagen. Auch Sport- und Freizeitangebote in geschlossenen Räumen, ein Verbot von Kontaktsport, ein Verbot von Veranstaltungen, Messen und Kongressen sowie ein Verbot von „Spezial- und Jahrmärkten“ gehörten zu dieser „Light-Variante“.

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In sozialen Medien daheim

„Suschäll Media“, denke ich und lehne mich entspannt lächelnd zurück. Der Erfolgs-Burner. Noch so ein Anglizismus oder sollte ich besser daraus Success-Burner machen? Hm, gute Frage. Was das auch immer heißen mag? Erfolg kommt vom Verb erfolgen. Englisch heißt Erfolg Success. Success geht auf das lateinische Verbum succedere zurück und bedeutet passieren, vorkommen, geschehen. Wirkt es in dieser Bedeutung weitestgehend neutral, mischt sich in die Substantive Erfolg und Success ein positiver Grundton.

Der Burner steht in diesem Kontext als Untermalung für Spitzenerfolge. Feuer und Flamme drücken Begeisterung aus. Der wirklich große spürbare Erfolg ist das Ziel. Der Durchbruch von der grauen Maus zum farbigenprächtigen Schmetterling bzw. leuchtenden Stern im Universum. Kleine Schritte und Veränderungen nimmt doch keiner wahr. Wer möchte solch farbloses Allerlei teilen. Keiner schaut hin.

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Linientreue

Gerade jetzt rasen Erinnerungen vorbei. In der Schulzeit rauschten die Parteitage mit Wohnungsbauprogramm und Bedürfnisbefriedigung an uns vorüber. Wer führen wollte, sollte dies in seiner Zukunft im Sinn der SED und bekam dafür Rüstzeug an die Hand. So kannte der Geschichtsunterricht in den letzten Schuljahren nur ein Lehrbuch, die Geschichte der SED. Die Partei neuen Typus sollte den Weg in den Kommunismus freimachen. Im Staatsbürgerkundeunterricht diskutierten wir darüber, wie die Menschen mit neuem Bewusstsein ihre Waren des täglichen Bedarfs in Konsum und Kaufhallen ohne Geld bekommen konnten. Mit Augenmaß gingen sie durch die Regale und nahmen nur, was sie wirklich brauchten.

Einkaufen ohne Geld, alles umsonst. Das mußten wir uns vorstellen. Dass das möglich ist, war die Vision. Für mich klang das wie im Religionsunterricht, als es um das Himmelreich ging. Das auf Erden zu erleben, wie es die kommunistische Lehre versprach, war schier unglaublich. Mir blieb der Glaube daran jedoch verschlossen wie die Grenze keine 20 Kilometer vom Elternhaus entfernt. Ich höre unseren Vater hektisch die Stufen hinauf rennen. Auf dem Boden drehte er die Antenne, da die Sender von jenseits der Grenze nicht auf derselben Frequenz zu empfangen waren.

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Aktenzeichen XY

Wer hätte das gedacht, die Mithilfe der Bürger und Bürgerinnen ist gefragt, Verstöße gegen Corona aufzuspüren. Ein Formular der Stadt Essen ist online. Ein Klick hier, und Sie können gleich mal Ihrem Kontrahenten eins auswischen oder den Behörden bei der Nachverfolgung von Quarantäne-Sündern unter die Arme greifen, je nachdem wie Sie dazu stehen. Das ist wirklich eine neue Qualität der Bürgerüberwachung. Digitalisierung macht’s möglich, von der Couch aus aktiv zu werden. Um keine Gerüchte zu schüren, habe ich das Formular extra gespeichert und zur Einsichtnahme hier platziert.

Auf Twitter äußert sich die Stadt Essen wie folgt dazu:

Und vergessen Sie nicht, Fotos vom Verstoß hochzuladen. Mit Smart Phone ist jeder dafür gut gerüstet. Die Hochladefunktion ist als Pflichtfeld mit * markiert. Insofern ist die Frage, ob Sie Fotos zu dem Verstoß hochladen möchten, nicht optional. Die Angabe Ihrer Kontaktdaten ist es dagegen schon. Das digitale Werkzeug für alle sich berufen fühlenden Blockwarte und inoffiziellen Mitarbeiter steht hiermit online zur Verfügung.

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Der Klang der Stufen

Es ist jetzt ein gutes Jahr her, als wir das Gadebuscher Schloss besuchten. Gemeinsam traten meine drei Geschwister und ich die Reise in die Vergangenheit an, obgleich wir hier im damaligen Internat nicht zur selben Zeit untergebracht waren. Mein zweitältester Bruder machte Mitte der siebziger Jahre den Anfang. Dann folgten meine zwei Schwestern und ich. Mit meiner zweitältesten Schwester verbrachte ich drei Jahre im Schloss gemeinsam. In einem Zimmer wie in den letzten Jahren zu Hause wohnten wir nicht. Wir teilten das Zimmer mit gleichaltrigen Mitschülern. Oben wohnten die Mädchen und unten und im Mittelbau die Jungen. Um 22 Uhr wurde die Durchgangstür zur obersten Etage an der Treppe geschlossen.

Wir bahnen uns den Weg nach oben von Esszimmer und Küche über das Zimmer des Internatsleiters. Diese Treppe war früher verboten. Sie liegt vom oberen Klubraum aus gesehen auf der anderen Seite und ist begehbar. Keine Stufe fehlt. Nach dem vertrauten Eintreten unten wirkt es jetzt etwas fremd, auch wenn Bilder der Vergangenheit mit einem Blick von oben nach unten sich bei mir einstellen. Da es früher nur beim Schauen blieb, ist Distanz spürbar. Im Waschraum oben angekommen, purzeln die Erinnerungen. Ganz in der Nähe wohnten meine Schwestern. Meine einstigen Zimmer, drei waren es in den Jahren an der Zahl, liegen im Gang hinter dem Klubraum. Ich renne durch den Gang, greife die Tür meines letzten Zimmers und schaue, ob die Zimmernummer noch zu sehen ist. Da steht sie tatsächlich. Eine 7.

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Impfstoffkapriolen

Noch weit entfernt vom Ziel, und schon tobt der Sturm um eine Impfpflicht. „Ich bin kein Arzt, der das empfiehlt“, sagt wohlmöglich mein Arzt. Doch schaden kann es nicht. So halte ich es mit der Grippeimpfung und war letzten Dezember in Thailand dennoch richtig krank. Diagnose Influenza nach Blutuntersuchung und Abstrich. Zum Glück war es keine Malaria oder etwas ähnlich Unangenehmes, was in warmen Regionen der Erde so auftritt.

Bestimmte Impfungen sind ratsam, weil sie wirklich Schlimmes verhindern oder eindämmen können. Andere Maßnahmen wie etwa die medikamentöse Malaria-Prophylaxe ist ein heikles Thema. Je nach Wirkstoff kann sie mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Ein genauer Blick in die Region hilft, die Lage einzuschätzen. Gewisse Vorsichtsmaßnahmen (Netze, Bekleidung) eignen sich in jedem Fall.

Gleiches gilt für das Immunsystem, das Virenangriffe vereitelt und bekämpft. Es ist auch die stärkste Waffe gegen Corona jeder Art. Eine Impfung, wenn möglich, hilft und dämpft. Ein schwaches Immunsystem ist jedoch immer ein Einfallstor für Krankheiten und das nicht nur für COVID 19.

Der Untergang

Der Kahn gluckert einfach ab. Ich sehe mit einer Hand an einer Schiffsplanke aus der Ferne zu, wie der Medientanker im Ozean versinkt. Auch ich war damit unterwegs und jagte neuen Techniktrends nach. Fachlich versiert und spezialisiert ging ich an Themen ran.

Und jetzt treibe ich hier im Meer herum. Immerhin kann ich schwimmen, was der versinkende Koloss da drüben nicht mehr kann. Wer kennt nicht den Roman „Die Unperfekten“, eine Geschichte über den Niedergang einer altehrwürdigen Zeitung. Darin steht alles, was gerade passiert. Wellen schlagen über der Untergangsstelle zusammen.

Die See schwankt hin und her. Ruhige Dünung breitet sich aus. Strömung trägt mich samt Schiffsplanke fort. Die Reise kann spannend werden. Wer eine Wende durchlebt hat, übersteht auch die nächste. „Das wird schon“, mache ich mir Mut und strample auch nicht gegen Widerstände an. Smarter Energieeinsatz ist gefragt, wenn die Strecke lang ist und die kann sehr lang werden, unvorstellbar lang, bis ich mal wieder Land betreten kann.

Ich freue mich auf eine Insel. Inseln sind begrenzt, d.h. nicht nur ihre Zahl. Fläche und Beschaffenheit sind unterschiedlich. Sie weisen mehr oder weniger Erkundungsrouten auf. Eine Passfahrt durch verschiedene Vegetationsstufen lenkt vom täglichen Treiben ab und nährt die Zuversicht, ein Fleckchen Land für sich zu entdecken.

Gegen die Zeit

Die Zeit scheint sich gegen einen zu sträuben. Die Vergangenheit will nicht verändert werden, ist ein Satz im Buch Der Anschlag von Stephen King. Krankheit stellt sich George Amberson in den Weg, als er Geschicke in der Vergangenheit zum Guten wenden will. Ob das für die Gegenwart und Zukunft gleichfalls gilt, frage ich mich darauf. Der Körper zeigt Symptome, wenn sich was im Inneren aus Furcht oder Angst gegen eine Handlung sträubt.

Die Angst ist ein Instrument, Starre zu erzeugen. Wie gefährlich ist COVID 19 wirklich? Herdenimmunität hat es zur Zeit der Pocken nicht gegeben, weil sie den unwiderruflichen Tod zur Folge hatten. Es gab nur das Eindämmen und Abgrenzen. Für Viren gibt es das Aushungern. Voraussetzung ist, den Fettstoffwechsel in Gang zu bringen bzw. auf Touren zu halten. Darauf verweisen Mediziner und Wissenschaftler.

Wenn Nudeln gehortet werden, sollten diese nicht nur gegessen, sondern auch dementsprechend verbrannt werden, lässt sich der Schluss ziehen. Das klingt vermutlich keineswegs attraktiv. Starre und Abwarten aus Angst vor Corona sind schmerzfreier und lassen sich besser vermitteln. Solch einen Eindruck vermittelt zumindest bis auf Ausnahmen das weltweite Handlungsspektrum der Staaten. Das ist wie ein alles umspannender Nebel. Wer den Nebel der üblichen Berichterstattung etwas lichten möchte, findet auf swprs.org sehr gute Anregungen. Mein Dank gilt allen, die der Corona-Pandemie mit Augenmaß und Sachverstand entgegen treten!

Die neue Corona-Normalität

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) geht deutschen Medienberichten zufolge davon aus, dass die Coronavirus-Pandemie die Gesellschaft noch für lange Zeit prägen werde. „Wir müssen eine neue Normalität entwickeln, die uns viele Monate und wahrscheinlich bis ins neue Jahr hinein begleiten wird“, sagte Scholz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Berlin. Solange es keinen Impfstoff gebe, müsse sich die Gesellschaft so organisieren, dass eine Kontrolle des Infektionsgeschehens und ein gutes wirtschaftliches und soziales Leben gleichzeitig möglich seien.

Die Diskussion um eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften vermittelt den Eindruck, dass dieser neuen Normalität Genüge getan ist, wenn diese Pflicht kommt. Zusammen mit einer App sind alle dann sicher vor nächsten drohenden Wellen. Das Immunsystem erfreut sich vor diesem Hintergrund keiner großen Beachtung und bleibt Fachleuten vorbehalten. Sich gegen COVID-19 mittels Bewegung und Ernährung fit zu machen, ist im Lockdown wenig trendig. Die Angst vorm Virus ist so groß, dass Bier und Korn aus dem Supermarkt als Trost in der neuen Corona-Normalität reißenden Absatz finden. Auch der Tabakkonsum bleibt en vogue, dem Virus ein Einfallstor zu ebnen. Und die Schweden stehen am Pranger, weil sie anders agieren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beziffert derweil den Bedarf mit bis zu zwölf Milliarden Schutzmasken pro Jahr. Dass Vorsorge und ein intaktes Immunsystem besser schützen als solche Masken, bleibt im Dunkeln. Dann lieber mit der Herdenimmunität die Panik schüren.

Genug ist genug

Der Film Das Boot von Wolfgang Petersen ist einmalig. Er ist authentisch und gibt ein realistisches Abbild vom U-Boot-Einsatz im zweiten Weltkrieg. Die achtteilige Sky-Serie mit gleichnamigen Titel, die mittlerweile auch im ZDF ausgestrahlt wurde, verfremdet indes. Eingebaute Szenarien weisen auf die Sicht von heute hin. Der zweite Weltkrieg dient dabei als Kulisse. Als ob dieser an sich nicht schon grausam genug wäre, treiben Gewalt, Sex und Drogensucht das Ganze auf die Spitze. Eine Mischung aus Hollywood und Thriller sorgt für Spannung, um im Bann zu halten. Die Authentizität des Geschehens bleibt dabei auf der Strecke.

Sowohl die Resistance in Frankreich als auch die geheime U-Boot-Mission sind hier Ausdruck einer erdachten Geschichte, die das wirklich historische Geschehen nahezu ausblenden. Bücher zum französischen Widerstand geben ein anderes Bild ab. Eine morphiumabhängige und lesbische Kämpferin in den Mittelpunkt zu stellen, ist ein gewagtes Unterfangen und wird den Beteiligten von damals nicht gerecht. Eine Meuterei auf einem deutschen U-Boot ist ebenfalls eine Zumutung und erinnert an Piratenfilme und den Klassiker Meuterei auf der Bounty. Der Film Crimson Tide bietet die Steilvorlage für Befehlskonflikte und die technischen Ausfallprobleme im Boot. Die Absurditäten steigern sich von Folge zur Folge. Eine Fortsetzung ist geplant.

Das Geschehen an Land startet durchaus in einem für die damaligen Verhältnisse vorstellbaren Rahmen. Eine verbotene Beziehung und die Konflikte in diesem Kontext erscheinen nachvollziehbar. Doch die konstruierte Verbindung der Schwester des Funkmaat Strasser zur Widerstandskämpferin Carla Monroe lässt das Ganze aus dem Geleise kommen und deutet ganz klar auf die gegenwärtige Vorstellungswelt der Filmemacher hin. Was hätte wohl Lothar-Günther Buchheim dazu gesagt, was für eine übersteigerte Thrillerstory diese aus seinem historischen Filmstoff konstruiert haben.