Die geduldige Weite

Menschen agieren von ihrem Erfahrungshintergrund aus. Sie bieten denjenigen Geschichten, Rat an, die kurslos im Meer treiben und Land suchen wie ich etwa. Als Hilfesuchende zum Schwimmen zu motivieren, auch wenn es aussichtslos erscheint, liegt indes bei mir. Das, die geduldige Weite ist mein Thema. Früher in der DDR wollte ich reisen. Weil das nicht ging, reiste ich jahrelang in Gedanken. Schließlich erschien Land am Horizont. Nach der Grenzöffnung durchmaß ich Schritt für Schritt die Weite bis zum höchsten Wasserfall von Brasilien im Amazonasgebiet.

Noch in dieser Zeit trat das Rennrad in mein Leben. Erst später entdeckte ich eine Schulurkunde, laut der ich bei einer Friedensfahrt den zweiten Platz belegte. Da hatte ich bereits in meiner Altersklasse beim Ötztaler Radmarathon mehrere Podiumsplätze eingefahren. Das ergab sich einfach so mit der Zeit. Nicht ganz. „Loslassen und Schmerzen ertragen“, bringe ich es im Video zur Nonstopfahrt von München nach Rom im letzten Jahr auf einen Nenner.

Die Weite war bis dahin unvorstellbar. Mehrere Langstrecken gingen dem in den Vorjahren voraus: Venedig, Florenz oder Cesenatico, um nur einige zu nennen . Auch zum Wasserfall in Brasilien bedurfte es mehrere Anläufe. Um dorthin zu gelangen, mussten Route, Logistik und Navigation stimmen. Geduld zahlte sich aus. Unvergesslich sind die Eindrücke auf dem Weg.

Zum x-ten Mal schwimme ich jetzt, um für Arbeit an Land zu gehen. Arbeit ist je nach Sichtweise eine Wüste oder bunte Landschaft. Geduldig weit erstreckt sich das Meer vor meinen Augen. Am Horizont täuscht keine Wolke einen Berg vor. Glatt und eintönig geht es voran. Wohin die Kompassnadel wohl schlägt?

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